Nach einem Gewalterlebnis am Arbeitsplatz stehen Betroffene oft allein da, zumindest fühlt es sich so an. Dabei gibt es in Deutschland ein breites Netzwerk an Anlaufstellen, Beratungsangeboten und Organisationen, die gezielt helfen können. Dieser Beitrag gibt einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Unterstützungsmöglichkeiten.
1. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
Die BGW ist die erste Anlaufstelle für alle, die im Gesundheitswesen oder in der Wohlfahrtspflege arbeiten. Sie bietet:
- Unfallversicherungsleistungen nach Gewaltvorfällen (medizinische Behandlung, Rehabilitation)
- Psychologische Betreuung nach traumatischen Ereignissen
- Präventionsberatung für Einrichtungen
- Fortbildungen und Trainingsangebote
- Umfangreiches Informationsmaterial zum kostenlosen Download
Kontakt: www.bgw-online.de | Servicetelefon: 040 202207700
2. Weißer Ring e.V., Hilfe für Verbrechensopfer
Der Weiße Ring ist die bekannteste Organisation zur Unterstützung von Opfern von Gewalttaten. Sie bietet auch Beschäftigten im Gesundheitswesen, die Opfer eines Übergriffs wurden, kostenlose Hilfe an:
- Persönliche Beratung durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Begleitung zu Behörden und Gericht
- Finanzielle Soforthilfe in Notfällen
- Vermittlung von Rechtsanwälten und Psychotherapeuten
Opfer-Telefon: 116 006 (Mo-Fr 7-22 Uhr, Sa 10-18 Uhr, kostenlos) | www.weisser-ring.de
3. Gewerkschaft ver.di, Fachbereich Gesundheit und Soziales
Die Gewerkschaft ver.di vertritt die Interessen von Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialwesen. Bei Gewaltvorfällen bietet ver.di rechtliche Beratung, Unterstützung bei Konfliktlösung und Information über tarifliche Ansprüche. Für Mitglieder gibt es zusätzlich Rechtsschutz.
Kontakt: www.verdi.de | Regionale Geschäftsstellen deutschlandweit
4. Betrieblicher Sozialservice / Employee Assistance Program (EAP)
Viele größere Kliniken und Träger bieten einen betrieblichen Sozialservice oder ein Employee Assistance Program (EAP) an. Diese internen oder externen Programme bieten vertrauliche Beratung zu beruflichen und privaten Problemen, Krisenintervention nach Vorfällen und Weitervermittlung zu Fachkräften. Fragen Sie Ihre Personalabteilung, ob ein solches Angebot in Ihrer Einrichtung existiert.
5. Traumaambulanzen und psychosoziale Notfallversorgung
In allen Bundesländern gibt es spezialisierte Traumaambulanzen, die nach traumatischen Erlebnissen rasch und unbürokratisch psychologische Hilfe bieten, oft kostenfrei für gesetzlich Versicherte, die ein Gewaltopfer geworden sind. Die BGW kann bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung helfen.
6. Online-Ressourcen und Selbsthilfe
Neben direkter Beratung gibt es hilfreiche Online-Angebote:
- BGW-Wissensportal: Leitfäden, Checklisten und Handlungshilfen für Einrichtungen und Betroffene
- Online-Selbsthilfeforen: Austausch mit anderen Betroffenen in moderierten Gruppen
- Informationsportale der Pflegeverbände: z.B. Deutscher Pflegeverband (DPV), Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung (dip)
Fazit: Hilfe annehmen ist Stärke
Niemand muss nach einem Gewalterlebnis schweigen oder allein weitermachen. Die Anlaufstellen und Netzwerke existieren, man muss sie nur nutzen. Und Einrichtungen sollten aktiv dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wissen, wo sie Hilfe finden. Ein Aushang mit den wichtigsten Notfallkontakten in der Umkleide kann der erste kleine, aber wichtige Schritt sein.
Alle wichtigen Anlaufstellen und Notfallkontakte finden Sie gebündelt auf unserer Ressourcenseite.