Diese Kampagne hat eine klare Haltung, und wir möchten, dass Sie sie kennen, bevor Sie unsere Beiträge lesen. Sie steckt in jedem Artikel, in jeder Einordnung und in jeder Forderung.

Der Kernsatz

Schuld sind nicht Patientinnen und Patienten.
Schuld sind nicht Ärztinnen und Ärzte oder Pflegekräfte.
Die Hauptursache ist ein unterfinanziertes Gesundheitssystem.

Gewalt im Gesundheitswesen hat viele Gesichter: Angriffe auf Beschäftigte in Notaufnahmen, Übergriffe im Kreißsaal, Beschwerden, die nicht ernst genommen werden. So unterschiedlich diese Erfahrungen sind, sie entstehen auffallend oft unter denselben Bedingungen: zu wenig Personal, zu wenig Zeit pro Fall, überfüllte Wartebereiche, erschöpfte Teams.

Was die Zahlen zeigen

Das ist keine Meinung, sondern messbar. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und Fachleute beziffern den Investitionsstau der deutschen Krankenhäuser auf 30 bis 50 Milliarden Euro. Allein 2023 stellten die Bundesländer nur rund 3,9 Milliarden Euro der benötigten 6,5 Milliarden Euro an Investitionsmitteln bereit, eine Lücke von etwa 41 Prozent. Und Prognosen zufolge fehlen in Deutschland bis 2049 zwischen 280.000 und 690.000 Pflegekräfte. Wer in solchen Strukturen arbeitet oder behandelt wird, erlebt täglich, was Unterfinanzierung bedeutet: Wartezeiten, Hektik, abgebrochene Gespräche, Frust auf beiden Seiten. Genau dort entsteht Eskalation.

Was daraus folgt

  • Wir spielen niemanden gegeneinander aus. Beschäftigte und Patientinnen und Patienten leiden unter demselben System. Wer die eine Gruppe gegen die andere in Stellung bringt, hat das Problem nicht verstanden.
  • Wir machen keine Sündenböcke. Einzelne Menschen für Systemversagen verantwortlich zu machen ist bequem und falsch. Verantwortung im Einzelfall bleibt bestehen, aber die Ursachenanalyse gehört auf die Strukturebene.
  • Wir nehmen subjektives Erleben ernst. Was jemand als Gewalt oder Entwürdigung erlebt hat, wird bei uns nicht wegdiskutiert.
  • Wir fordern Investitionen. Mehr Personal, mehr Zeit pro Fall, bessere Räume, bessere Ausbildung, verlässliche Kommunikation. Gewaltprävention ist eine Finanzierungsfrage, und wer beim Personal spart, bezahlt mit Eskalation.
  • Wir bleiben bei den Fakten. Unsichere Zahlen kennzeichnen wir, Positionen von Verbänden benennen wir als Positionen, und wir dramatisieren nicht.

Warum uns das wichtig ist

Die öffentliche Debatte über Gewalt im Gesundheitswesen kippt schnell in Schuldzuweisungen: mal sind „die respektlosen Patienten” schuld, mal „die kalten Ärzte”, mal „die überforderte Pflege”. Solche Erzählungen sind eingängig und folgenlos. Sie ändern nichts an einer Notaufnahme, in der eine Pflegekraft nachts fünfzig Wartende betreut, und nichts an einem Kreißsaal, in dem eine Hebamme drei Geburten gleichzeitig begleiten muss.

Wir wollen die Debatte dahin lenken, wo Veränderung möglich ist: zu Kapazitäten, Arbeitsbedingungen, Ausbildung und Finanzierung. Wenn Sie diese Haltung teilen, ob als Einzelperson, Einrichtung, Verband oder Redaktion, freuen wir uns über Kooperationen und Erfahrungsberichte. Worum es der Kampagne insgesamt geht, lesen Sie unter Über das Projekt.